Samstag, 20. Juni 2015

25.10.2011 Kirkenes N

von:    Kirkenes      

5 Grad

288. Trekking-Tag                       unser aktueller Standort

Kaum über der Grenze, schon erlebe ich eine total andere Mentalität.

Unfassbar! Die Leute winken mir zu, fragen wohin ich "Spinner" bei dieser Kälte will und woher solche "schräge Vögel" wohl kommen. Immer jedoch mit einem begeisterten Ausdruck im Gesicht und einem unbändigen Stolz auf  Leute wie mich, die ihr Land so zu schätzen wissen.

 
Eisige Kälte lässt uns in dieser Hütte Schutz suchen

Es wird mir unvergessen bleiben, dieses Ziel erreicht zu haben. Niemand aus meinem Umfeld hier in Skandinavien hat je daran geglaubt. Naira und ich werden mit grossem Respekt behandelt. Es kann sich wohl nur ein Skandinavier vorstellen, unter welch harten Bedingungen Naira und ich hier unterwegs sind. Wer in der sonnenverwöhnten Schweiz lebt wird schwer haben, sich die hiesigen Wetterbedingungen vorstellen zu können.


Wenn die Leute mir gegenüber betonten, es sei ausserordentlich, um diese Jahreszeit keinen Schnee zu haben, bemerkte ich jedesmal total überzeugt: "Das ist wegen Naira und mir, damit wir ungehindert nach Kirkenes kommen."

"Wie wahr, wie wahr!" Als ich damals in Östersund erzählte, ich würde mich jetzt aufmachen in der Hoffnung, Kirkenes zu erreichen, um danach mit dem Postschiff nach Trondheim und  zurück nach Östersund zu reisen, wurde ich müde belächelt. In Ordnung, niemand hat davon gesprochen, ich müsste Kirkenes noch dieses Jahr erreichen. Ziel war es allerdings, so weit wie möglich gegen den Norden zu reisen, um die Nordlichter zu sehen und die dunklen Winternächte zu erleben. Dass ich Kirkenes noch vor dem Wintereinbruch erreichen würde, hätte ich selber nie geglaubt. 

Hier bin ich nun. Genau so viele Möglichkeiten wie mir auf dem Nordlicht-Trekking bis jetzt offen standen um den Kurs zu ändern und irgendwo zu überwintern, genau so viele Möglichkeiten habe ich jetzt, die nähere Zukunft zu gestalten.

- Wie wäre es mit einer Hurtigruten-Reise von Ort zu Ort? - Immer wieder aussteigen und ein paar Wochen bleiben?

Auf alle Fälle muss ja mal der Anhänger geflickt werden, da komme ich nicht drum herum. Und bis die richtigen Räder ankommen, dauert das so seine Zeit.

Wenn ich die Preise, das heisst, die Lebendkosten hier im Norden erlebe, wird mir schlecht und es jagt mich, wie schon im letzten Sommer, schnellstens zurück nach Schweden.

Hallo Anna und Paul, ich komme! Ich freue mich aufs Hochseefischen, auf die Ausflüge mit dem Pferdeschlitten , auf das Reiten, das Snowmobil fahren...

Nachwort:

...und dann kam alles ganz anders:

In der Flughafenhalle Kirkenes Norwegen

Ein sms aus der Schweiz hiess mich, alle Pläne fallen zu lassen...ins nächste Flugzeug zu steigen und Hilfe zu leisten, wo Hilfe gebraucht wurde.

Wann wird auch meine Seele in der Schweiz ankommen?

Niemand kann zwei Wege zur gleichen Zeit gehen. 
Es gibt keine Vergleichsmöglichkeit.
Wir können immer nur hoffen,
die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben.   R.S

24.10.2011 Kirkenes N

von:  Näätämö            nach: Neiden/Kirkenes       


4 Grad
Tageslicht: von 07:47 bis 15:38 Uhr in Kirkenes
Tageslicht: von 08:54 bis 16:56 Uhr in Inari


Hunger leiden und Einsamkeit haben eine Gemeinsamkeit.
Kein Mensch müsste hungern, kein Mensch müsste alleine sein,
es gäbe genügend Essen und genügend Menschen auf dieser Welt.  R.S


287. Trekking-Tag       unsere heutige Reise


Noch 59 Kilometer bis nach Kirkenes. Wie es dann weiter geht steht noch offen. Zuerst werde ich wohl den Velomech aufsuchen und mir anständige Pneus bestellen. Vielleicht muss ich sie mir aus der Schweiz schicken lassen. 

Mittlerweilen bezweifle ich, dass ich hier im hohen Norden zu einem Winterlogie komme. Keine Ahnung, was ich tun werde. Bestimmt mal das Jedermannsrecht auskosten und irgendwo das Zelt aufstellen und SEIN. Das Geld ist mir, seit ich in Nord-Finnland eingeradelt bin, einfach nur so durch die Finger geronnen. Leider war das Gebotene meistens im Preis weit überrissen. Keine wirklich rühmliche Seite der Nord-Finnen.

Es ist gestimmt ein grosser Unterschied, als zahlungskräftiger Tourist nach Finnland zu kommen und eine Woche Snowmobil- oder Huskieschlittenferien zu machen. Diese Leute sind ausgebildet und wissen um ihren Ruf. Wer sich auf der Strasse unter dem Fussvolk bewegt, der ist in der Wirklichkeit.

Was allerdings hier und jetzt gesagt werden muss: Die Reaktionen auf meine arbeitenden Hunde im finnisch Lappland hingen anscheinend weniger mit der Tierliebe der hiessigen Frauen zusammen, als mit ihrer Art in die schöne Welt zu blicken. Die haben hier diesen sonderbaren Ausdruck. Sie schauen einfach so. Vor allem die älteren Samifrauen haben einen Blick drauf, da würde man am liebsten im Boden versinken. Es heisst auch nie: "Wie bitte?" es heisst: "Hääää?" dazu wird die Nase verächtlich in Runzeln gelegt und ein Mundwinkel hochgezogen. Eine schrecklich respektlose Art.

Wintertourismus ... durch diese hohle Gasse muss er  kommen...

Für die wunderschöne Natur können sie nichts. Die ist ein Geschenk. Diese traumhaft schöne Landschaft ist ein wahres Bilderbuch. Ich habe aufgehört zu fotografieren. Was das Auge zu sehen bekommt ist auf einem Foto einfach nicht festzuhalten. Natürlich, mit den professionellen Kameras mit Weitwinkel und so ... aber es braucht auch mit einer exklusiven Ausrüstung das Auge und das Herz dazu.

Meine Berichte werden wohl für längere Zeit ausfallen. In Norwegen ist eine Internetkarte kaum zu bezahlen und die Verbindung ist zudem so schlecht, dass es schade um das Geld ist. Sobald ich auf schwedischem Boden bin, hört ihr wieder von mir. Das kann 7 Tage, 4 Wochen oder sogar 6 Monate dauern. Lassen wir uns überraschen.

Mit etwas Glück hat aber unser Winterlogie Internetverbindung...also, bleibt dran.

23.10.2011 Näätämö FIN

von:   Sevettijärvi      nach:   Näätämö        


29 Kilometer
-5 / 2 Grad
Tageslicht: von 08:50 bis 17:01 Uhr

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht
wird sich an den kleinsten Schönheiten herzlichst erfreuen.   R.S


286. Trekking-Tag                unsere heutige Reise


Heute Morgen war alles steinbein gefroren. Vom Aussenzelt kann ich die Reissverschlüsse nicht mehr öffnen. Vorsorglich habe ich den Gaskocher mit ins Bett genommen und konnte ihn so, noch vor dem Aufstehen, in Betrieb setzen. Seit ich mein Innenzelt in Östersund beim Hilleberg-Zeltmacher in der Reparatur hatte, geht gar nichts mehr. Nur nach mehrmaligen Versuchen kann ich die Reissverschlüsse schliessen. Sie öffenen sich immer wieder, ziemlich eigenwillig, hinter dem Zipper und das bei dieser Kälte. In Kirkenes werde ich ein neues Zelt kaufen müssen. Die Reissverschlüsse taue ich mit der warmen Bettflasche auf. 

Die Strasse ist wie gehabt, spiegelglatt. Vor allem auf den Brücken ist Vorsicht geboten. Nach jeder Stunde gibt es eine ausgiebige Pause mit heissem Tee und Energie-Futter für die sechs Beine.

Nur noch 10 Kilometer bis zur norwegischen Grenze und welch Überraschung, schon wieder einen Plattfuss am Anhänger. Das ist aber nur halb so schlimm, viel bedrohlicher sieht der Pneu des anderen Rades aus. Ob der bis Kirkenes durchhält?

Ein Hotelzimmer, versteckt hinter der Antenne, für 65 Euro, ohne Frühstück!

Ich pumpte das Rad auf und fand nach 3 Kilometern ein Motel in Näätämö. Ausnahmsweise wurden wir nach einem frechen "Häää" Naira betreffend, nicht weggeschickt. Das hatte aber seinen Preis. 65 Euro für ein Zimmer ohne Frühstück, das WC habe ich mit den Gaststubengästen zu teilen und das ist es. Die Gaststubentüre lässt alle 5 Minuten das Haus erzittern, falls sie beim ersten Mal ins Türschloss fällt, sonst gibt es noch ein kurzes Nachbeben. Ohne schlechtes Gewissen habe ich dafür im Zimmer an der Wärme den Pneu geflickt.

Mich wundert es, warum Preise nicht angeschrieben werden. Weder im Internet, noch vor Ort sind Preislisten, anhand deren man sich orientieren könnte. Ich weiss nie, ob ich die Einzige bin, die diese frechen Preise bezahlen muss. Ein schales Gefühl bleibt. Die ewig zu kurz gekommenen Nord-Finnen zahlen es den Touristen heim.

Als ich mich entschied, dieses Nordlicht-Trekking anzugehen war das Fahrrad und der Anhänger neu, das Zelt repariert und eigentlich hätte man annehmen dürfen, von Seiten des Materials würde mir kein Ungemach drohen. Weit gefehlt! Noch viel deprimierender ist der plötzliche Wechsel von der grossartigen Gastfreundschaft der Schweden zu der Unfreundlichkeit der Nord-Finnen. Beides ist aussergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Aber ein Wiedersehen mit Finnland wird es wohl nicht wieder geben.

22.10.2011 Sevettijärvi FIN

von:   Partakko            nach:   Sevettijärvi        


56 Kilometer
- 3 / 2 Grad
Tageslicht: von 08:02 bis 17:17 Uhr

Bevor wir eine Sache nicht objektiv beurteilen können,
steht uns das Recht zu urteilen gar nicht zu    R.S

285. Trekking-Tag                 die heutige Reise

Die Strassen sind vereist. Es gibt kein "Sausen lassen", wenn es endlich etwas bergab geht. Vorsichtig radelte ich singend durch diese einmalige Landschaft.

Leider haben wir nach diesem langen und mühsamen Tag wieder keine warme Unterkunft gefunden und schlafen nun die zweite Nacht im Zelt. Meine Socken und Handschuhe sind nass. Ich sollte dringend einen Ofen haben, um sie zu trocknen. Seit ich Velo fahre, schwitze ich und das ist im Winter, ohne Tumbler oder Ofenrohr, nicht gerade so wünschenswert.

Die von mir angesteuerten, auf der Karte eingezeichneten Mökkis waren sonderbarerweise nicht zu vermieten. Die Männer bedauerten es sehr, aber die alte Sami hatte das Sagen und sie entschied: "Nicht für Vagabunden mit Hund". Sie grüsste mich nicht einmal, so war sie damit beschäftigt, ihrem Sohn und ihrem Mann einzuheizen, mich ja nicht aufzunehmen.

Ein paar Kilometer weiter fanden wir am Bach ein schönes Plätzchen. Wir haben genug warmes Material dabei, um den Winter auch im Zelt verbringen zu können.


Die Schönheit der Natur lässt mich immer wieder dankbar werden, für alles was mir geschenkt wurde.

21.10.2011 Partakko FIN

von:  Inari    nach:  Partakko       

61 Kilometer
3 Grad
Tageslicht: von 07:59 bis 17:20 Uhr in Inari
Tageslicht: von 07:34 bis 15:52 Uhr in Kirkenes


Fehler entstehen immer charakter-, zeit-, alters- und situationsbedingt.
Sie verjähren vor Gericht,
die Kirche vergibt,
Gott ist gnädig,
Nur der Unbarmherzige erhebt sich über jeden und schreit nach Vergeltung.


284. Trekking-Tag             unsere heutige Reise

Wie vorgesehen starteten wir in aller Dunkelheit und verliessen wie Diebe das Haus. Aber wir haben nichts gestohlen. Es hätte sich auch nichts zum Mitnehmen angeboten. 



Alles was hier auf dem Platz wirklich einen Wert hat sind die Snowmobile. Da ich selber genug unhandlichen Plunder mit mir führe und sich der Schnee seit Jahren das erste Mal verspätet hat, brauche ich keine dieser Maschinen. Solange es geht, werden sich Naira und ich auf die uns bekannte Weise vorwärts bewegen.

Wir mussten diese Nacht im Zelt schlafen, niemand wollte uns an die Wärme lassen. Komisch, Naira ist eine so tolle Hündin, aber anscheinend erschreckt sie die Leute. Macht auch nichts, wir sind ja aufgetankt und wissen auch ohne bequeme Unterkunft, wie der Hase läuft.

20.10.2011 Inari FIN

von:   Inari                

5 Grad

Tageslicht: von 07:56 bis 17:23 Uhr in Inari
Tageslicht: von 07:30 bis 15:57 Uhr in Kirkenes




Bilder und Geschichten erzählen aus dem Leben.
Es gibt Menschen die füllen Tagebücher.
Es gibt Menschen, die füllen Bilderbücher.
Es gibt Menschen die füllen Geschichtsbücher.
Und es gibt Menschen deren Runzeln mehr erzählen,
als all diese Bücher zusammen es je tun könnten.  R.S


283. Trekking-Tag                  unser Standort


So, ich trete in eine entscheidende Phase des Nordlicht-Trekkings. Die letzte grosse Etappe bis zum geplanten nordöstlichsten Punkt liegt vor uns. Was auf dieser Strecke geschieht, kann alles entscheiden.
  • Finde ich unseren Winterplatz? 
  • Müssen wir umdrehen weil der grosse Schnee kommt?
  • Halten Fahrrad und Anhänger die letzte Strecke fern jeder Zivilisation durch?
  • Können wir mit dem Hurtigruten-Postschiff gegen Süden fahren?
  • Steigen wir in ein Flugzeug und sind schon an Weihnachten in der Schweiz?
Wichtig ist vor allem die Gesundheit von Naira und mir. Ich glaube sogar, Naira würde mit ihrer ganzen Kraft versuchen, uns ans Ziel zu bringen, wäre ich "verhindert". Sie ist eine unglaubliche Hündin, ein wahrer Kumpel.

Heute hiess es für alle denkbaren Eventualitäten vorzusorgen. Die Lebensmittel mussten neu verpackt werden, die spitzen Kanten von Verpackungen mit der Schere abgerundet werden, damit sie mir nicht die Säcke zerschneiden, Brote mit Butter beschmieren, weil jede Verpackung zurückgelassen werden muss die ich nicht brauche und natürlich besorgte ich das Lieblingsfutter von Naira. Schade, dass ich die Bücher aus der Bibliothek nicht mitnehmen kann. Die Nächte werden lang.

Die Weiterfahrt ist für morgen sieben Uhr geplant. Da ich im Haus mit Licht packen kann, brauche ich nicht zu befürchten, in der Dunkelheit etwas zu vergessen.

Ich freue mich! Und Naira kann diese Herumhängerei sowieso nicht leiden.

Freitag, 19. Juni 2015

19.10.2011 Inari FIN

von:   Inari               

1 Grad
Tageslicht: von 07:54 bis 17:27 Uhr


Erschreckend vielen Menschen fällt es leichter
unüberlegt zu handeln als nachzudenken.   R.S


282. Trekking-Tag                   Mein Standort

Nichts passte. Das Bett ist ein ausgedienter Lattenrost, die Nachttischlampe fehlt, die Türen klemmen, der Kocher ist defekt, das WC-Papier lässt sich nicht abrollen, den Duschkopf hält man bei der kleinsten Berührung in den Händen, der Kühlschrank im Zimmer surrt eine "Unvollendete" ...



und ...ich hatte Schmerzen: Brustschmerzen, Hüftschmerzen, Knieschmerzen, Rückenschmerzen, Beinschmerzen, Handschmerzen.

Genau darum forderte meine Hausärztin einen Operationsstopp. Da ist einfach zu viel das saniert, restauriert und repariert werden müsste. Trotzdem kann ich nicht nonstop Schmerzmittel schlucken, da rebelliert mein Magen. So oder so, ich muss da durch. Morgen sprechen wir nicht mehr darüber. Eine Kappe Schlaf und ich bin wieder die bekannte Geniesserin.

Geschlafen habe ich letzte Nacht nichts. Wie könnte ich? Nächste Nacht bin ich müde genug und werde zusätzlich meine Matte ins Bett legen. Zudem habe ich endlich etwas Unterhaltung. Mit den Büchern aus der Bibliothek bin ich vorläufig auch in schlaflosen Nächten total beschäftigt.

Zum Frühstück gab es eine Pizza aus dem SIWA. 1.29 Euro. Gar nicht schlecht.

Noch etwas beschäftigte Naira und mich heute über längere Zeit: Die Türen ertragen das feuchte Wetter nicht. Überall gibt es zwei Türen direkt hintereinander, so wie bei uns früher die Vorfenster. Eigentlich müssten die Menschen in Lappland mit 3 Händen ausgestattet sein. Es braucht zwei Hände und Muskeln wie Herkules, um die Türen zu schliessen oder zu öffnen und eine Hand zusätzlich um noch etwas tragen zu können. Mir fehlt die nötigen Muskelkraft um es mit diesen Türen aufnehmen zu können.

Am Nachmittag dann das Kabarett. Ich wollte ins Dorf. Naira war schon vor dem Häuschen, ich drinnen um noch etwas zu holen. Drinnen blieb ich dann auch. Mit aller Kraft war diese doofe Türe nicht mehr aufzubringen. Naira vor der Türe, ich hinter der Türe... Ich schrieb ein E-mail in die Rezeption damit sie jemanden schickten, um mich zu befreien.

Die erste Person die zu Hilfe eilte hatte Angst vor Naira und versprach, mir bei Gelegenheit, (die Saison ist vorbei und Männer sind auf dem Platz rar) einen Mann vorbeizuschicken, der sich nicht vor Hunden fürchten würde.

Irgendwann stand dann wirklich ein Koloss von Mann in der Stube. Belehrend zeigte er mir, wie die Türen zu handhaben seien. Er demonstrierte seine Ausführungen, in dem er die Türe von innen schloss und wieder öffnen wollte. Wollen ist gut, können wäre besser gewesen. Da standen wir ... Zwei die nicht mehr raus konnten. Mit einem gewaltigen Körpereinsatz wurde unsere Befreiung vorangetrieben. Gut zu wissen. Auch ich werde in Zukunft so vorgehen müssen. Zur Sicherheit zog ich die Türe nicht mehr ganz zu. Auch ohne dass sie ins Schloss gezogen wird ist sie dicht genug.

Die Wiedersehensfreude von Naira hätte nach einer Woche nicht grösser sein können. Sie drehte beinahe durch. Schön, für jemanden so wichtig zu sein.

Meine E-Mail-Anfrage wurde beantwortet. Die Mökkis werden geschlossen, folglich erübrigt sich die Frage nach dem Preis.

Donnerstag, 18. Juni 2015

18.10.2011 Inari FIN

von:   Irgendwo    nach:   Inari       

24 Kilometer
2 Grad
Breitengrad  68.90.57
Tageslicht: von 07:51 bis 17:30 Uhr


Wenn wir voraussetzen im Recht zu sein
können Missverständnisse gar nicht aufgedeckt werden.   R.S


281. Trekking-Tag                          Mein Zielort: Inari

Ich bin müde, einfach nur müde. 1160 Kilometer liegen hinter uns. Ob es das Wetter ist, ob es zu anstrengend für mich war, vielleicht beides zusammen. Trotzdem geniesse ich die Tage in vollen Zügen. Was wissen wir schon, wann unsere letzte Stunde geschlagen hat. An meinem Grab darf mit Freuden gesagt werden: "Sie hat jede Stunde ihres zweiten Lebens ausgefüllt und genossen. Sie wurde für vieles entschädigt, was in ihrem ersten Leben ungut lief. Und ganz wichtig, sie ist nie mehr stehen geblieben. Wenn eine Situation nicht mehr passte, hat sie eine Änderung vorgenommen, egal ob das vom Umfeld verstanden wurde oder nicht. Auf diese Stärke war sie besonders stolz."




Es ist einfach herrlich! Die riesigen Wälder, die Bächlein, die Flüsse, die Seen, diese Freiheit, diese Ruhe, dieser Frieden.

Eigentlich hätte ich durch Inari durchreisen und den Weg gegen die Grenze unter die Räder nehmen müssen, der Wetterbericht ist ausgezeichnet und wer weiss, wann der erste Schnee kommt und uns an der Weiterreise hindern wird. Aber eben, meine Müdigkeit liess mich den Campingplatz von Inari aufsuchen und mich sogar für eine Cottage entscheiden. Meine Gesundheit lässt doch ziemlich zu wünschen übrig. Macht nichts, ich stehe das durch, es braucht etwas Zeit. 

Zuerst war ich auf dem Informationsbüro und liess mir von einem hochnäsigen Mitarbeiter erklären, was das Allmannsrecht ist und was ich alles zu tun und zu unterlassen habe. Er würde auch gerne für mich herum telefonieren und fragen, wo noch etwas geöffnet ist, aber das koste mich einen Euro pro Anruf. Bin ich im falschen Film? Es gibt etwa 10 Übernachtungsmöglichkeiten in und um Inari und der Typ weiss nicht, wo geöffnet ist und wo es einigermassen bezahlbare Preise gibt? Lassen wir das. Ich war froh, nicht noch länger in seinem Büro verweilen zu müssen und machte mich auf den Weg zum Campingplatz.

Bei meinen Recherchen im Internet habe ich mit Schrecken zur Kenntnis genommen, dass um diese Jahreszeit keine Campingplätze auf meiner Strecke offen sein werden und ein Hotelzimmer für 95 Euro entspricht bei weitem nicht meinem Budget. Folglich bleibe ich einen Moment in Inari. Ich habe den Besitzer heute Abend angeschrieben und angefragt, was die Cottage für eine Woche oder sogar für einen Monat kosten würde. Bin mal gespannt was er antwortet.

Heute war ich schon in der Bibliothek und habe mich mit ein paar Englischbüchern eingedeckt. Es wird mir etwas Abwechslung von meinem "Alltag in meinen eigenen Gedanken" geben. Zudem brauche ich eine warme Stube zum Ausruhen und Zeit um mich neu zu stärken.

Zur richtigen Zeit wird es weiter gehen, wir werden sehen wann und wohin.

Mittwoch, 17. Juni 2015

17.10.2011 Irgendwo FIN

von:  Irgendwo       nach:   Irgendwo       

51 Kilometer
3 Grad
Tageslicht: von 07:48 bis 17:33 Uhr


Würde das "WENN" wegfallen,
käme ein neues "WENN".
   R.S


280. Trekking-Tag               in dieser Gegend bin ich

Ich schlief ziemlich in Schieflage, aber es war nicht die erste und wird nicht die letzte Schieflage in meinem Leben sein. 



Anscheinend macht es das Klima aus, dass hier geschlafen werden kann, als ob man ein Murmeltier wäre. Na ja, diese stehen den ganzen Winter nicht mehr auf. Ich sollte mich wenigstens tagsüber fortbewegen. Das fällt bei diesem Wetter ziemlich schwer.



Wir sind es trotzdem angegangen und haben über 50 Kilometer geschafft. Ich bin geschafft und Naira tummelt sich vor dem Zelt mit einem Stecken und ein paar Steinen herum. Kaum zu glauben, wie fit diese Dame ist.

Dienstag, 16. Juni 2015

16.10.2011 Niemandsland FIN

von: Loma-Harjula            nach:   Niemandsland       


40 Kilometermit dem Auto / 39 Kilometer mit dem Fahrrad
5 Grad
Tageslicht: von 08:23 bis 17:40 Uhr


Die Sonne scheint für alle Menschen
allerdings mit unterschiedlicher Intensität. 
R.S


279. Trekking-Tag                           unsere Reise gen Norden
Ein wunderschöner, farbenfroher Morgen begrüsste mich heute.



Und ich fragte sie einfach. "Guten Tag, wäre es möglich, mich mit einem Fahrzeug nach Pokka zu fahren, wo diese abscheuliche Strasse ihr Ende hat?"

Wenn ich genau überlege, kann der Transport nicht so teuer sein wie allenfalls ein Bruch an meinem Fahrrad oder am Anhänger. 60 Euro wechselten den Besitzer und wir standen eine Stunde später mit Sack und Pack in Pokka. Die Asphaltstrasse begann genau dort.

Zuvor hatte ich aber die Wohnung zu reinigen. Die alte Sami-Lady stellte sich demonstrativ und in Befehlserteilerpose vor die Putzkammer und deutete gebieterisch auf den Staubsauger und das Putzzeug. Sie vermietet seit Jahren Mökkis und kann kein Wort Englisch, ausser "money". Ihre Körpersprache ist jedoch unmissverständlich. Sie weiss die Gäste auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen; ein böses Gesicht aufzusetzen und auch die Polizeihandzeichen beherrscht sie wunderbar.

Nach getaner Arbeit konnte es unbeschwert weiter gehen. Die Strasse war noch schrecklicher, als ich sie in Erinnerung hatte. War ich froh, diese 60 Euro eingesetzt zu haben. Sicher kein Schnäppchen, aber sehr, sehr hilfreich.


Lieber der Anhänger ist in diesem Zustand, als wir mit unserer Bagage.

Ein wenig auf und ab und ein wenig mehr auf als ab, aber immer noch im grünen Bereich, ging unsere Fahrt auf der gepflegten Strasse weiter. Die bevorstehende Strecke nach Inari war so oder so nicht in zwei Tagen zu bewältigen, darum beschloss ich, in der Ruderboot-Villa Einzug zu halten und dem einsamen Schiffchen eine Nacht Gesellschaft zu leisten. 



Hausfriedensbruch nennt man das, aber ich hoffe, der Villenbesitzer sieht das nicht gar so eng. Mit einer Blache deckte ich den gröbsten Dreck ab und richtete mein Bett. Alles in allem gesehen gar nicht so übel. Ich hörte die Regentropfen. Anhaben konnten sie uns gar nichts, das Dach ist solide gebaut.



Allerdings haben sie vergessen eine Heizung und Licht einzubauen. Das hiess, um sechs Uhr war Schlafsackverteilung und Feierabend.